Nachdem im Jahr 2001 der Heide-Park mit Colossos und der Holiday-Park mit Expedition GeForce die ersten beiden Megacoaster Deutschlands eröffnet hatten, baute der Europa-Park ein Jahr später nicht nur die dritte Bahn dieser Art in der Bundesrepublik, sondern eröffnete 2002 auch Europas höchste und schnellste Achterbahn. Für die Bahn konnte die Firma Mercedes-Benz als Sponsoring-Partner gewonnen werde, von der auch die gesamte Thematisierung rund um den Stationsbereich der Bahn herum in der "Mercedes-Benz-Hall" stammt. Die in schwarz-silber gehaltene Bahn wurde quer über den Hauptparkplatz des Europa-Parks gebaut, damit die Bahn nicht störend wirkt inmitten der vielen aufwendig gestalteten Themenbereiche des Parks. Die Planung wurde vom Münchner Achterbahnbüro Werner Stengel übernommen und als Hersteller wurde die Schweizer Firma Bolliger & Mabillard gewählt, die weltweit für ihre Qualitätsbahnen bekannt ist (z.B. Nemesis in Alton Towers oder Katun in Mirabilandia). Die Züge sind mit 9 Wagen und jeweils 4 Sitzen nebeneinander sehr geräumig und ermöglichen eine hohe Kapazität der Bahn, was sich im besucherstärksten deutschen Park auch als sehr nützlich herausstellt. Da es sich hierbei um Floorless-Züge handelt, sitzt man sehr frei und wird lediglich durch einen Beckenbügel gehalten. Optimale Voraussetzungen also, um die Fahrt vollig frei und mit hochgerissenen Armen genießen zu können.
Man betritt die Mercedes-Benz-Hall und wird vorbei an Silberpfeil-Rennwagen und zahlreichen Informationen zur Historie der Firma hinauf in die 1. Etage geführt. Hier teilt sich die Warteschlange: Ein Gang führt in die 2.-9. Reihe, der andere Gang direkt zur sehr begehrten Frontrow, von wo aus man die beste Sicht auf die Strecke hat. Hier hat sich der Europa-Park an dem US-Vorbild orientiert, wo eine Extra-Warteschlange für die Frontrow bei größeren Bahnen schon lange zum Standard gehört.
Wenn das Gepäck verstaut und alle Bügel geschlossen sind, kann es losgehen: Die Formel 1-Ampel an der Bahnhofsausfahrt springt um von rot auf grün und der Zug rollt durch die erste Kurve in Richtung Lift. Von hier aus hat man nicht nur einen wunderbaren Blick auf die gesamte Bahn, sondern auch auf das restliche Parkgelände. Ist der Zug oben in 73m Höhe auf dem höchsten Punkt angelangt, geht es mit ca. 130 km/h in die Tiefe und direkt in die erste Steilkurve hinein, denn fast der gesamte Rest der Strecke wurde genau parallel zwischen die beiden Parkplatzhälften gebaut. Es geht erneut in die Höhe über den ersten Camelback hinweg, auf dessen Scheitelpunkt man wunderbare Airtime erlebt. Der zweite Camelback ist etwas niedriger als der erste, jedoch ist die geringere Höhe kaum spürbar, da man genauso wie auf dem ersten Camelback vom Sitz abhebt.

Nach diesem ca. 500m langen Teilstück der Bahn fährt der Zug in den sogenannten Horseshoe, eine überhöhte Steilkurve mit extrem hoher Querneigung, sodass die Köpfe der Fahrgäste nach unten hängen. Ein ähnliches Streckenteil findet man z.B. bei dem Gigacoaster "Millennium Force", der 2000 in Cedar Point, Sandusky, Ohio eröffnet wurde. Hier schließt sich dem ersten 93m hohen Sturz eine Steilkurve mit 122 Grad Querneigung an. Der Horseshoe ist notwendig, da es sich bei dem Strecken entwurf von Silver Star um ein sogenanntes "Out-and-back-Design" handelt und diese Steilkurve die Rückfahrt in Richtung Bahnhof einleitet. Unmittelbar nach dem Horseshoe schließt sich ein dritter Camelback an, der noch einmal gute Airtime bietet.
Anschließend geht es hinauf zu einem ca. 40m langen, geraden Zwischenstück, an dessen Ende eine Zwischenbremse angebracht ist. Der Bremsung schließt sich eine Abfahrt an, welche in eine 270 Grad-Aufwärtshelix hineinführt. Kaum ist man aus der Abfahrt heraus geht es auch schon über den vierten und letzten Camelback. Dieser sorgt noch einmal für richtig schönes Achterbahn-Feeling am Ende der Strecke. Bevor es in die Schlussbremse hineingeht, schließt sich ein meiner Meinung nach besonderes Schmankerl an, auf das man sich während der gesamten Fahrzeit vorher freuen kann: Eine extrem enge Steilkurve, die aufgrund der immer noch recht hohen Geschwindigkeit des Zuges sehr schnell genommen wird. Dadurch wird der Zug bei der Durchfahrt regelrecht herumgerissen, was für mich den Reiz durch die blitzschnelle Richtungsänderung ausmacht.
Technische Daten
Ersteröffnung 2002
Hersteller B&M
Länge 1620m
Höhe 73m
Höchstgeschwindigkeit 130 km/h
Züge 3
Sitze/Zug 36
Liftsystem Kette
Nach der Schlussbremsung tut die Schwerkraft ihr Übriges, um den Zug über die leicht abfallende Strecke durch eine letzte 180 Grad-Kurve hindurch zurück in den Bahnhof zu befördern.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die erste stationäre B&M-Bahn auf deutschem Boden eine gehörige Menge an Fahrspaß bietet. Die typischen Merkmale dieser Firma wie z.B. die Vierer-Sitzreihen und eine butterweiche Fahrt machen diesen Coaster zu einem echten Vergnügen für jeden Achterbahnfan. Durch die Zwischenbremse nimmt der Fahrspaß leider ein wenig ab, insgesamt ist dem Europa-Park mit Silver Star jedoch eine tolle Bahn gelungen, die auch im internationalen Vergleich eine sehr gute Figur macht.

zurück zur Berichtauswahl

Home | Fachbegriffe | Berichte | Kirmes | Parks | Shop | Gästebuch | Links
Copyright 2001-2010 Coasterfan.de - Impressum - Sitemap