Holiday World in Santa Claus, Indiana ist ein eher unbekannter Park unter Achterbahnfans. Bei der Planung einer Parktour durch den Osten der USA stehen Namen wie Cedar Point, Busch Gardens oder Six Flags Great Adventure meist viel mehr im Vordergrund. Doch der 1946 eröffnete Park beherbergt gleich drei Weltklasse-Woodies. Der neueste davon ist "The Voyage" und wurde 2006 eröffnet. Der Park machte sich den ungewöhnlichen Ortsnamen zunutze und nahm amerikanische Feiertage als Grundlage für die verschiedenen Themenbereiche. Neben dem ersten Bereich "Christmas" sind über die Jahre auch "Halloween" und "4th of July" hinzugekommen. Die jüngste Erweiterung beschäftigt sich mit dem Thema "Thanksgiving" und folgerichtig wurde die Hauptattraktion dazu "The Voyage" (Die Reise) genannt. Die europäischen Siedler in der Gründerzeit hatten eine lange Reise hinter sich, bevor sie in ihrer neuen Heimat einen Feiertag einführten, um Gott für die Ernte und die guten Erträge des vergangenen Jahres zu danken.

Die neue Achterbahn sollte ihrem Namen gerecht werden und durch ihre ungewöhnliche Länge auffallen. Mit 1963 m ist die Strecke nach "The Beast" in Kings Island aktuell die zweitlängste in Betrieb befindliche Holzachterbahn auf der Welt. Für die Berechnung der Bahn wurde die Gravity Group beauftragt, die sich weltweit auf den Bau von "Woodies" spezialisiert hat. Für die Konstruktion wurde eine Hybrid-Technik eingesetzt, nämlich eine Holzschiene auf Stahlstützen. Der Unterbau aus Stahl hat als Vorteile, dass das Errichten der Bahn schneller vonstatten geht und weniger Platz benötigt wird. Die Bahn sollte jedoch nicht nur extrem lang sein, sondern auch besonders viel Airtime bieten. Insgesamt erleben die Fahrgäste während der Fahrt 24,2 sek. Schwerelosigkeit, was einen von zwei Weltrekorden darstellt. Die zweite Bestmarke besteht in der Tatsache, dass fünf Tunnel angelegt wurden, von denen einige sogar zwei Mal durchfahren werden. Dabei sind nur zwei davon von außen sichtbar. Das langgezogene Out-and-Back-Design führt weit hinein in ein Waldgebiet, sodass nur etwa ein Drittel der Strecke sichtbar ist.
Begeben wir uns auf eine Probefahrt: Nachdem die Fahrgäste in den bequemen Zügen Platz genommen haben, geht es hinauf auf den Lift. Während der Fahrt nach oben bietet sich ein wunderbarer Überblick über den Park und auch den benachbarten Wasserpark Splashin' Safari. Nachdem die Wagen in fast 50 m Höhe angekommen sind, geht es mit einem Gefälle von 66° nach unten. Direkt im Anschluss werden zwei weitere Hügel mit Höhen von 32 m bzw. 30 m erklommen, die die ersten langen Momente der Schwerelosigkeit erzeugen. Es geht weiter in Richtung Wald und der Zug fliegt durch die ersten drei Tunnel hindurch. Werden die ersten beiden noch schnell hintereinander passiert, geht es vor der dritten Durchfahrt noch einmal über einen langgezogenen Hügel hinweg. Der Zug windet sich durch eine S-Kurve und fährt nach links in die langgezogene Wendeschleife hinein. Diese besteht größtenteils aus einer riesigen Steilkurve, die jedoch durch mehrere Besonderheiten aufgepeppt wird. Zum einen sind zwei kleine Erhöhungen eingebaut, die zwar nur 1-2 m hoch sind aber aufgrund des hohen Tempos dennoch für zwischenzeitliche Airtime sorgen. Zum anderen wird die Steilkurve an einer Stelle auf 90° überhöht, sodass die Besucher "an der Wand entlang" fahren. Die Strecke schlängelt sich unter der Einfahrt zur Steilkurve hindurch auf die andere Seite und passiert sogleich die vierte Tunneldurchfahrt. Aus dem Tunnel heraus geht es in eine Gerade mit einer Zwischenbremse hinein. Selbst wenn der Zug hier zum Stillstand käme, ist doch die Höhendifferenz bis zur Station so groß, dass er noch einmal fast die Höchstgeschwindigkeit erreichen würde.
Nach der Bremse folgt ein weiteres Schmankerl, nämlich ein weiterer Tunnel mit einer dreifachen Abfahrt. Der Zug gewinnt an Fahrt und rast über mehrere Bunnyhops hinweg, die erneut eine Menge Airtime versprechen. Da der Lift und die ersten beiden Hügel schnurgerade verlaufen, wechselt der Zug auf dem Weg zurück zum Bahnhof viermal die Seite durch deren Stützen hindurch. Mal links, mal rechts der Hinfahrt geht es durch mehrere plötzliche Richtungsänderungen und die zweite überhöhte 90°-Steilkurve. Die sechste Tunneldurchfahrt liegt direkt unter der Station und nur eine Plexiglaswand trennt die Schiene vom unterirdischen Wartebereich. So ergibt sich ein interessanter "Fly through"-Effekt, der bei den Wartenden Spannung und Vorfreude auf die bevorstehende Fahrt auslöst. Das große Finale bildet eine langgezogene Abfahrt hinein in der letzten Tunnel, der sich unter dem Zugangsweg zur Station hindurchzieht. In einer Aufwärtsschleife geht es über den Weg hinweg und hinein in die Schlussbremse.
Technische Daten
Ersteröffnung 2006
Hersteller The Gravity Group
Länge 1963,5 m
Höhe 49,7 m
Höchstgeschwindigkeit 108,5 km/h
Züge 2
Sitze/Zug 24
Fahrtdauer 02:45
Kapazität 1200 Personen / Stunde
Die Strecke zeichnet sich durch einen durchgehenden Spannungsverlauf aus, denn die verschiedenen Streckenelemente sind so dicht aneinander gereiht, dass man als Fahrgast überhaupt keine Zeit hat, um sich zu erholen. Kaum ist ein Tunnel durchfahren, geht es schon in die nächste Steilkurve hinein. Zudem wird man während der Fahrt insgesamt 20(!) Mal aus dem Sitz gehoben. Diese schnelle Abfolge von Richtungs- und Belastungswechseln macht für mich den Reiz einer guten Holzachterbahn aus. Ähnlich gute Erinnerungen habe ich bei "Ravine Flyer II" in Waldameer und bei "Boulder Dash" in Lake Compounce. Wie auch die anderen beiden Woodies des Parks ("Raven" und "Legend") verläuft die Strecke durch dicht bewaldetes Gelände und ist von außen kaum einsehbar, was die Spannung vor der ersten Fahrt noch weiter erhöht. Für mich ist "The Voyage" eine Perle unter den Holzachterbahnen, für die ich Holiday World in jede US-Osttour wieder einplanen würde.

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